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Was könnten wir von den Indianern lernen?

Vorwort: Wir leben in einer Gesellschaft, in der es einfacher erscheint, Erdöl zu fördern, dieses Erdöl zu Plastikgeschirr zu verarbeiten, dieses dann ein Mal zu benutzen und es anschließend wegzuwerfen, anstatt den Aufwand zu betreiben, unser übliches Geschirr nach dem Gebrauch abzuwaschen. Im Laufe der Jahrhunderte hat sich der aufstrebende Teil der Welt Stück für Stück von den Lebenswegen der Naturvölker abgewandt. Die Abhängigkeit von der Natur kann im Leben eines Stadtmenschen schnell vergessen werden. Der Bezug zu den Lebensmitteln, welche in Massen in unseren Einkaufshallen liegen kann nur mit einem hohen Maß an Phantasie hergestellt werden. In einer globalisierten Welt, in der wir bei einem Einkauf ein indirektes Geschäft mit etwa 30 verschiedenen Ländern machen können, spielen die natürlichen Umstände aus denen die Ware entspringt keine großartige Rolle mehr.

 

Auch heute gibt es jedoch noch Völker, welche das Naturverständnis aufrecht erhalten haben, und ihr Leben nach diesem ausrichten. Die Yanomami Indianer leben beispielsweise in einem Reservoir welches etwa die doppelte Größe der Schweiz einnimmt. Nur selten kommen sie in den Kontakt mit der modernen Welt und leben somit weitestgehend ein Leben was sich an den Ressourcen der Natur ausrichtet. Die Ernährung ihrer Stämme erfolgt ohne den Import von diversen Nahrungsmitteln oder Zutaten. Auf einem Feld werden bis zu 60 verschiedene Pflanzenarten angepflanzt, welche somit einen hohen Anteil zur Ernährung beitragen. Da der Boden in den indigenen Gebieten nicht sehr fruchtbar ist, sind die Stämme gezwungen ihr Revier in gewissen Zeitabständen zu verschieben um neue Flächen mittels Brandrodung für den Ackerbau zu gewinnen. Mit Hilfe dieser Technik, sorgen die Eingeborenen dafür, dass sich der Boden an bereits bepflanzten Stellen wieder regenerieren kann und somit für eine spätere Bebauung bereitstehen würde. Anders als in der heutigen Landwirtschaft, werden keinerlei Chemikalien zur Schädlingsbekämpfung angewandt, was den Boden zwar regenerierbar macht, jedoch auch den Befall von Schädlingen ermöglicht und somit den Erntebetrag gefährdet. Daher ist es für die Yanomami-Indianer unerlässlich die Jagd als zweite Nahrungsquelle zu nutzen. Um genug Beute für den Stamm zu ergattern, ist es oft nötig, Tage lang durch den Regenwald zu streifen, da es keine großen Tiervorkommen gibt. Dadurch dass die Stämme über die Jahre sehr große Strecken zurücklegen bei der Suche nach geeigneten Siedlungsplätzen, ist das Tierreich ebenfalls in der Lage die eigenen Bestände zu regenerieren und somit bleibt es eine stabile Nahrungsquelle.

Auch hier finden sich natürlich Parallelen zur heutigen Gesellschaft. Auch wenn wir heute keine Stämme mehr bilden, wird auch bei uns noch Wild gejagt. Um diese Bestände jedoch auf Dauer nicht zu gefährden oder auszulöschen wurden im Laufe der Jahre Regulierungsinstitutionen gebildet, welche sich um die Bestände kümmern und somit die Jagd erlauben oder verbieten. Anders verhält sich der moderne Mensch beim Umgang mit anderen Ressourcen, wie zum Beispiel Bodenschätzen. Ohne über mögliche Konsequenzen nachzudenken, beanspruchen die Entdeckerländer die erspähten seltenen Erden, Metalle oder gar Erdölvorkommen für sich. Binnen kürzester Zeit wird die Struktur dieser Gegenden verändert, um die Vorkommen günstig und schnell abzubauen. Darüber, dass sich diese Schätze teilweise gar nicht, oder auch nur sehr langsam regenerieren wird nicht nachgedacht. Die Ausbeutung unseres Planeten ist kein Tabu mehr. Aus einem Artikel über das Naturverständnis der Indianer geht hervor, dass diese Habgier dort nicht existiert. Anders als der moderne Mensch, betrachten die Stämme die Natur als Leihgabe, nicht etwa als Selbstverständlichkeit. Gejagt wird, um sich zu ernähren, Ressourcen nimmt man, soviel man wirklich braucht. Die Natur stellt also die Grundlage allen Lebens da und wird dementsprechend auch schonend behandelt und nur soweit beansprucht wie es tatsächlich von Nöten ist. Das Verhältnis von den Menschen zu der Natur steht in direkter Verbindung mit dem Verhältnis von den Tieren zur Natur. Jede Veränderung, die Auswirkungen auf eines dieser Glieder hat, wird sich auch auf den Menschen auswirken. Somit ist der Mensch nur ein kleiner Teil der als lebendig betrachteten Natur. Einen enormen Unterschied macht ebenfalls die Sichtweise auf die eigene Gattung.

In der heutigen Zeit steht für die meisten Kulturen fest, dass der Mensch sowohl für den Sieger der Evolution als auch für den Herrscher über die Natur steht. Somit ist es für uns schwer, den Gedanken der Vergänglichkeit zu akzeptieren. Anders als bei den Indianern wird die menschliche Spezies als weit überlegen betrachtet und somit scheint es auch legitim, dass uns die größten Güter und die wertvollsten Schätze zustehen, ohne die Natur danach zu fragen. Aus einer weiteren Quelle geht hervor, welches Verhältnis Indianer zu dem Land haben, auf dem sie leben. Im Jahre 1855 bekam ein Indianerstamm in den USA das Angebot unterbreitet, ihr Land für viel Geld an weiße Siedler zu verkaufen um fortan in einem Reservoir zu leben. Ein Häuptling („Seattle“) erklärte hierbei das Paradoxon, dass er nicht verstehe, wie er für etwas bezahlt werden solle, was ihm nicht gehöre. Er konnte nicht verstehen, dass das Land für die  weißen Siedler ein Besitztum darstelle. Weiterhin bemängelte er das Interesse der Weißen an dem Land, da es sich sowieso nur um die Bodenschätze und Naturgüter drehen würde. Er könnte nicht verstehen, dass die Weißen sich als getrennt von der Natur betrachteten. Ein ideeller Wert sei für die Weißen nicht von Bedeutung.

Wenn man sich die heutige Weltwirtschaft ansieht, erkennt man nach wie vor viele Wahrheiten in den Gedanken des Mannes. Wenn der Westen Interesse an einem anderen Land hat, dann vorwiegend auf Grund seiner natürlichen Gegebenheiten. Nicht umsonst finden sich Länder ohne Relevante Finanzmittel oder Bodenschätze heute am Ende unserer Wirtschaftskette wieder. Länder, die zwar über Ressourcen verfügen, aber nicht über die nötigen Mittel zum Abbau selbiger, werden oft von reichen Ländern in Abhängigkeiten getrieben.

 

Anhand dieser verschiedenen Aspekte lassen sich diverse Einstellungen erkennen, über die sich der moderne Mensch mehr Gedanken machen sollte. Auch wenn die Indianer ebenfalls Krieg geführt haben und andere Stämme angegriffen haben, gab es bei ihnen eine große Gemeinsamkeit, denn die Natur stand über Allem. Der Mensch von Heute muss lernen, die Natur nicht als gegeben zu betrachten, er muss verstehen, dass die Regeneration der Schlüssel zu einer Nachhaltigen Versorgung ist. Wenn die Habgier weiterhin dazu führt, dass über Schätze, welche über Jahrmillionen gewachsen sind, binnen weniger Jahre abgebaut werden, dann wird die Menschheit in nicht allzu ferner Zeit ein böses Erwachen haben. Wir müssen akzeptieren, dass wir nicht zwingend eine Einkaufshalle brauchen, in der Nahrung für über 10 000 Menschen steht. Der Mensch muss lernen, seine verfügbaren Güter zu teilen und diese sinnvoll zu verwenden, um mögliche Missstände auf lange Sicht zu vermeiden. Der Grund und Boden dieser Erde sollte nicht nur von reichen Firmenvorständen genutzt werden dürfen, sondern auch denen zur Verfügung stehen, welche keine sechs stelligen Beträge auf ihrem Konto haben. Solange die Habgier und der Wachstumszwang unsere kapitalistische Wirtschaft kontrollieren, wird der Diebstahl an der Erde kein Ende nehmen.

Trotz aller Vorzüge der Indianer darf man nicht vergessen, dass wir ohne unsere Habgier und andere fragwürdige Eigenschaften, nicht da wären wo wir heute sind. Jede Form von Wissenschaft kann nur dort existieren, wo Menschen die Möglichkeit haben, sich mit ihr zu befassen. Somit ist der Wohlstand der westlichen Länder (leider) auch ein Schlüssel zur technischen und wissenschaftlichen Fortentwicklung, da nicht jeder Mensch Zeit in Jagd oder Ernte investieren muss.

Doch solange wir nicht begreifen, dass jeder Eingriff in die Natur auch einen Eingriff in unser Leben bedeutet, ganz gleich ob heute oder morgen, wird uns auch die fortschrittlichste Technik der Welt nicht helfen können.

 

Zusammenfassend würde ich sagen, dass sich der moderne Mensch in bestimmten Bereichen mehr an den Naturvorstellungen der Indianerstämme orientieren sollte. Denn auch wenn viele Mysterien der Natur heut zu Tage aufgeklärt sind, müssen wir uns eingestehen, dass wir die Folgen der menschlichen Eingriffe nur erahnen können.

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Meine Gedanken zu Deutschlands Geburtenproblem

Deutschland ist eine der stärksten Volkswirtschaften der ganzen Welt. Aus deutschen Unternehmen kommen die modernsten und effizientesten Technologien. Das deutsche Sozialsystem, wenn auch verbesserungsfähig, zählt zu den besten der Welt. Dieser kleine, aber aussagekräftige Überblick lässt vermuten, dass wir ein großes Stück vom Wohlstandskuchen abbekommen haben und es uns doch gut gehen sollte. Das stimmt soweit, die Frage ist jedoch, wie lange noch?

 

Innerhalb der letzten Jahrzehnte wird in Deutschland ein neuer Trend unterschätzt. Während Länder wie Afghanistan oder der Senegal Geburtenraten von bis zu 7,9 aufweisen, zählt Deutschland zu den Nationen mit den niedrigsten Fertilitätsraten weltweit. Die Zeit der Babyboomer (1955-1965) ist lang vorbei. Über einen großen Zeitraum wurde dieses Problem unterschätzt und nicht wirklich beachtet. Erst vor gut fünf Jahren schienen die größeren Medien wieder Interesse an dieser Thematik zu finden. „Katastrophale Geburtenraten! – Sterben wir Deutsche aus?“, titelten „renommierte“ Zeitungen wie die Bild. Mit einer Fertilitätsrate von etwa 1,40 sind wir nicht nur das europäische Schlusslicht, sondern stehen auch weltweit in den letzten Reihen. Die Frage ist nun, woraus resultiert diese beunruhigende Zahl?

Die im Buch aufgezeigte Quelle schildert diverse Ungerechtigkeiten, die ungebremst auf die Familien aufprallen. Menschen die in der Bundesrepublik keine Kinder haben, werden nicht nur steuerlich besser gestellt, sie wirken auch für den Arbeitsmarkt wesentlich attraktiver. Die von dem unbekannten Autoren kritisierten Punkte werden in Zeile 46 auf Seite 81 sehr gut zusammengefasst: „Das ist demografischer Irrsinn“. Belegt wird diese These mit diversen Punkten, die dem Staatlichen System negativ angerechnet werden. Neben etlichen Vorschlägen, welche die Situation der Familien  in Deutschland verbessern sollen, kritisiert er weiterhin die staatlichen Begünstigungen für z.B. Rentner der früheren Generationen. Kurz gesagt, wird von dem Autoren eine umfassende Reform der Familienpolitik gefordert.

Nachdem dieses Thema auch in der Öffentlichkeit ein höheres Interesse erweckt, scheint sogar die Politik daran interessiert, einen bestrebten Eindruck zu hinterlassen. In den Medien wird seit langem das Konzept des Betreuungsgeldes erklärt, gelobt und gehasst. Das von der Schwarz-Gelben-Koalition auf den Weg gebrachte Konzept sieht vor, dass ein bestimmter Betrag an Eltern gezahlt wird, die für ihre Kinder zwischen dem 13. und 36. Lebensmonat keine staatlich geförderten Betreuungsmöglichkeiten in Anspruch nehmen. Die Höhe des Geldes soll zwischen 100 € und 150 € liegen, abhängig vom Alter des Kindes. Sinn und Zweck soll also sein, den Eltern das Gefühl zu geben, dass der Staat sich schon darum kümmert, dass genug Geld da ist. Weiterhin war es der Politik wichtig, dass die Eltern, die ihr Kind zu Hause erziehen, ja gar nichts von der Modernisierung in Kitas haben, insofern war auch Fairness ein Bestreben. Somit soll also der Vorteil geschaffen werden, die Kinder zu Hause zu erziehen, fernab von anderen Kindern, ohne fremde soziale Einflüsse und den frühen Einstieg in die Grundlagen der Gesellschaft. In drei skandinavischen Ländern gab bzw. gibt es ein Probelauf eines ähnlichen Modells. Eine Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung zeigt, dass die Empfänger von dieser staatlichen Leistung unverhältnismäßig oft einen geringen Bildungsstand, ein niedriges Einkommen und einen Migrationshintergrund aufweisen. Weiterhin sei die Sozialisierung der staatlich geförderten Kinder schwieriger, da es an grundlegenden gesellschaftlichen Werten fehle, welche in westlichen Industrienationen zwingend erforderlich sind um ein produktives Mitglied im System zu werden.

Aus meiner Perspektive beinhaltet der Gedanke des Betreuungsgeldes nichts Positives. Um ein Kind wirkungsvoll in eine Gesellschaft zu integrieren, ist es nötig, dass schon in jungen Jahren eine Interaktion mit anderen Kindern stattfindet. Auch wenn die Fairness prinzipiell ein essentieller Gedanke in einer Demokratie ist, müssen Grenzen gesetzt werden um das Wohl der jeweiligen Bevölkerung zu gewährleisten.

 

Um die Geburtenrate in Deutschland zu steigern, ist nicht nur eine Reformation der Familienpolitik von Nöten. Schon in frühen Jahren wird jedem Bürger erklärt, dass er Teil einer Leistungsgesellschaft ist. Über Jahrzehnte hat sich die Karriere ein Kopf an Kopfrennen mit der Familie geliefert, momentan liegt die Karriere mit großem Vorsprung vorn. Was wäre nun also nötig, um den Menschen zu zeigen, dass Leistung nicht das einzige ist was zählt?

Da unsere Gesellschaft über Jahre von der durchwachsenen Medienlandschaft geprägt wurde, halte ich es für falsch, das Problem über das oft bewährte System der Panikmache lösen zu wollen. Wenn man sich den aktuellen deutschen Geburtenspiegel anschaut, ist leicht zu erkennen, dass die Geburtenrate in den sozial schwachen Gegenden einen prinzipiell guten Stand erreicht. Bis vor einem Jahr sank die Zahl der Kinder in Akademikerfamilien drastisch. Erst 2012 konnte ein leichtes Plus vermerkt werden. Wer heute den höchsten Bildungsweg einschlägt, ist in der Regel zwischen 25 und 30 mit seiner Ausbildung fertig. Dann kann damit begonnen werden, die erlernten Fähigkeiten in Geld umzuwandeln, ein Kinderwunsch wird dadurch oft im Alter von 34-36 Jahren erfüllt. Anders ist es bei sozial schlechter gestellten Familien, welche bereits im Durchschnittsalter von 20-26 das erste Kind in die Welt setzen. Wenn wir nun einmal in die Zeit um 1960 zurückblicken, stellen wir fest, dass es in dieser Zeit eine etwa doppelt so hohe Geburtenrate gab. Doch neben den Geburtenraten, gab es auch andere gesellschaftliche Faktoren, die denen der heutigen Zeit nicht mehr ähneln. So war beispielsweise der Wohlstand, wie wir ihn heute kennen und definieren, nur bei einem kleinen Bevölkerungsteil vorhanden. Auch dieser Teil der Gesellschaft wies zur damaligen Zeit eine niedrige Geburtenrate auf. Ich leite daraus ab, dass Wohlstand ein größeres Bewusstsein im Umgang mit Mitteln mit sich bringt, der Gedanke ein Kind zu verpflegen bedeutet gleichzeitig ein wirtschaftliches Minus. Kurz und knapp: Jede Bevölkerungsschicht scheint anhand der Statistiken differenzierte Prioritäten auszubilden. In der heutigen Zeit nimmt die Zahl der Akademiker stets zu, die Arbeiterklasse schrumpft allerdings. Interessant ist ebenfalls, dass auch Zuwanderer nach einem gewissen Zeitraum ihre Geburtenrate an den deutschen Standard anpassen, ganz Gleich welche Herkunft sie haben.

Historisch betrachtet ist diese Problematik nicht neu. Im Gegenteil, immer dann, wenn eine Hochkultur kurz vor ihrem Fall war, zeichnete sich ein Geburtenrückgang ab. Migration und politische Systeme haben in der Vergangenheit versagt und sind auch heute noch keine machtvolle Waffe gegen den Bevölkerungsschwund.

Doch gibt es nun wirklich ein Wundermittel gegen das sogenannte Gesundschrumpfen? Ich persönlich denke nicht, dass der Staat mit seinen politischen Instrumenten ein künstlichen Baby Boom erzeugen kann. Ganz gleich ob die Situationen für Kinder und ihre Eltern in diesem Staat gut oder schlecht sind, es ist einfach nicht mehr rentabel oder vorteilhaft ein Kind zu haben. Eine schwarze Front aus negativen Nachrichten über die Zukunft wird jedem Teilnehmer der Gesellschaft täglich vor Augen gehalten, und der Satz „In diese Welt setze ich kein Kind mehr!“, wird immer häufiger verwendet. Doch entgegen aller medialen Vermutungen haben wir heut zu Tage mehr Wohlstand als ihn jemals auf diesem Fleck Erde gegeben hat. Erst wenn sich der Leistungsdruck und die Gewichtung der Werte verändern, wird sich auch die Geburtenrate verändern. Da immer mehr Menschen arbeitslos werden und keine Verwendung mehr für die Unternehmen haben, fragt man sich ohnehin, ob der Bevölkerungsrückgang denn ein so großes Problem sei. Auch der immer wieder thematisierte Fachkräftemangel stellt mich vor einen moralischen Engpass, in dem ich mich fragen muss, ob es rentabler ist, einen Jugendlichen aus Spanien, der dass europäische Bildungssystem „genossen“ hat einzustellen, oder doch eher einen bildungsfernen schwarz-Afrikaner anzuwerben, dem sämtliche westliche Standards, sowie Sprache und Gepflogenheiten beigebracht werden müssen. Bei einer Jugendarbeitslosigkeit von bis zu 50% in einigen südeuropäischen Ländern, drängt sich die Frage auf, ob Kinder haben überhaupt noch Sinn hat. Egal wie gut es Deutschland zu dieser Zeit noch gehen mag, die Medien prophezeien Böses.

Zusammenfassend glaube ich nicht, dass es einen gesetzlichen Mechanismus gibt, der die deutschen dazu bringen würde, mehr Kinder in die Welt zu setzen. Es gibt eine Vielzahl von Faktoren die zu dieser Entwicklung geführt haben und erst wenn sich die Konstellation dieser günstig verändert, wird sich auch die Geburtenrate dementsprechend verändern.

Die tägliche Prognose einer schwarzen Zukunft

An jedem Montag erwache ich aus einem zumeist entspannten Wochenende in der für mich recht angenehmen Wirklichkeit. Ich stehe auf, lese Nachrichten und zack, hat es mich erwischt.

20 Chinesen bei Autounfall gestorben, sechs Tonnen Bockwurst auf Frachter verloren, Michael Ballack beendet seine Karriere. Der emotionale Umfang dieser Informationen sollte theoretisch mit dem Verlust von meinem linken Bein und einem Riss in meinem Fingernagel vergleichbar sein.

Ist er aber nicht. Ich kannte keinen dieser Chinesen, der Unfall ist in einer unvorstellbaren Entfernung passiert, an einem Ort, an dem ich nie war. Sechs Tonnen Bockwurst, eine ganze Menge, davon konnte man sicher viele Menschen ernähren. Michael Ballack, wie wird man als Jemand, der einem Ball hinterherläuft eigentlich so bekannt? Fragen über Fragen. Doch das wichtigste Schicksal wird ausgeblendet. Meiner Ansicht nach ist das auch besser so. Nehmen wir mal an, ich öffne die Zeitung, und der erste Artikel sagt mir wie viele Menschen bei einem israelischen Angriff im Gazastreifen gestorben sind. Nun kann ich diese Information natürlich unterschiedlich bewerten. Einerseits könnte sich eine nahezu unendliche Gedankenkette bilden. Der Angriff Israels war laut Artikel eine Racheaktion gegen Terroristen im Gazastreifen. Insofern ist diese Aktion ja theoretisch gerechtfertigt oder? Möglicherweise, denn ich könnte die Situation beliebig auslegen. Die Terroristen, könnten Menschen sein, die ihr ehemaliges Land zurückerobern möchten oder aber, es handelt sich um antisemitische Jihadisten. Oder es sind Amerikanische CIA Agenten, die möglicherweise an einem Grenzkonflikt interessiert sind, um die Kriegskasse klingeln zu lassen. Anhand dieser verschiedenen Denkstrukturen haben Sie wahrscheinlich schon erkannt, dass ich sehr viel Zeit habe, mir den Kopf zu zerbrechen. Sie haben recht. Doch ganz gleich ob ich viel zu tun habe oder nicht, jeder wird für sich feststellen, dass es einfacher ist, jenes Ereignis zwar zu bemerken, es aber auch sogleich wieder zu verwerfen. Können Sie wahre Trauer empfinden, für Ihnen unbekannte Menschen, die in 12 000 Kilometer Entfernung, an einem Ort den Sie nur von Bildern kennen, gestorben sind? Ich für meinen Teil, kann es nicht, zumindest nicht ohne mich selbst zu belügen.

 

Versuchen wir uns mal vorzustellen, wie die Menschen vor 100 Jahren gelebt haben. Im Jahre 1912 gab es kein Internet. Es gab natürlich Zeitungen und ein Radionetzwerk, allerdings war dieses keinesfalls als detaillierte globale Informationsquelle zu betrachten. Die Nachrichten, die den einfachen Bürger erreichten, drehten sich in der Regel um verwertbare Inhalte die sich auf die nähere Umgebung beziehen. Getrauert wurde um die Menschen, die man persönlich kannte, einfach aus dem Grund, da man die anderen Menschen weder kannte, noch von ihrem Schicksal wusste. Ich halte diesen Zustand für sehr wichtig, um eine gesunde Psyche zu wahren. Ich verwende meine Person einmal für das Gegenbeispiel. Wie Sie bereits weiter oben feststellen konnten, durchdenke ich sehr viele Perspektiven, die eine Information über ein Szenario zulässt. Ich habe wie bereits erwähnt ein hohes Maß an Zeit, was ich in diese Denkspielereien investieren kann. Ein Umfeld, welches die unterschiedlichsten politischen Einstellungen vertritt und diese auch noch glaubhaft legitimieren kann, erschwert die persönliche Einschätzung. Ich beginne also damit zu zweifeln. Ich zweifle an der Quelle, die mir die Information liefert, da diese von Organisationen finanziert wird, die eine bestimmte politische Einstellung vertreten. Somit ist die Glaubwürdigkeit jenes Artikels schon einmal verringert. Weiterhin frage ich mich, haben diese Terroristen im Gazastreifen vielleicht bekommen, was sie verdient haben? Aber selbst wenn, woher soll ich es wissen? Und woher soll es jemand Wissen, der seine Information von einem in der Nähe wohnenden Dorfbewohner hat?

Die Inhalte, die beim Übersetzen von Sprachen verloren gehen sind oft entscheidend für die Aussage einer Nachricht. Somit könnten die ergatterten Informationen auf Ihrem Weg in meine Zeitung völlig verändert worden sein, und Niemand würde es merken. Denn wer würde diesen Artikel für wahr oder falsch erklären? Wenn es überhaupt Jemand tun könnte, dann entweder die Sieger oder die Verlierer dieser kriegerischen Handlung.

Wie Sie also bemerken, gibt es keine Garantie für die Richtigkeit einer Nachricht. Jetzt könnte man natürlich meinen, Bilder oder Videos wären ein unbestreitbarer Beweis für die Richtigkeit einer Nachricht. Hier möchte ich auf die verschiedenen Perspektiven hinweisen.

Wenn es in der Tagesschau einen Ausschnitt über einen Krieg gibt, könnte man Ihnen auch die Aufnahmen aus einem ganz anderen, lange vergangenen Krieg zeigen und so ziemlich Niemand würde einen Unterschied bemerken…