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Die tägliche Prognose einer schwarzen Zukunft

An jedem Montag erwache ich aus einem zumeist entspannten Wochenende in der für mich recht angenehmen Wirklichkeit. Ich stehe auf, lese Nachrichten und zack, hat es mich erwischt.

20 Chinesen bei Autounfall gestorben, sechs Tonnen Bockwurst auf Frachter verloren, Michael Ballack beendet seine Karriere. Der emotionale Umfang dieser Informationen sollte theoretisch mit dem Verlust von meinem linken Bein und einem Riss in meinem Fingernagel vergleichbar sein.

Ist er aber nicht. Ich kannte keinen dieser Chinesen, der Unfall ist in einer unvorstellbaren Entfernung passiert, an einem Ort, an dem ich nie war. Sechs Tonnen Bockwurst, eine ganze Menge, davon konnte man sicher viele Menschen ernähren. Michael Ballack, wie wird man als Jemand, der einem Ball hinterherläuft eigentlich so bekannt? Fragen über Fragen. Doch das wichtigste Schicksal wird ausgeblendet. Meiner Ansicht nach ist das auch besser so. Nehmen wir mal an, ich öffne die Zeitung, und der erste Artikel sagt mir wie viele Menschen bei einem israelischen Angriff im Gazastreifen gestorben sind. Nun kann ich diese Information natürlich unterschiedlich bewerten. Einerseits könnte sich eine nahezu unendliche Gedankenkette bilden. Der Angriff Israels war laut Artikel eine Racheaktion gegen Terroristen im Gazastreifen. Insofern ist diese Aktion ja theoretisch gerechtfertigt oder? Möglicherweise, denn ich könnte die Situation beliebig auslegen. Die Terroristen, könnten Menschen sein, die ihr ehemaliges Land zurückerobern möchten oder aber, es handelt sich um antisemitische Jihadisten. Oder es sind Amerikanische CIA Agenten, die möglicherweise an einem Grenzkonflikt interessiert sind, um die Kriegskasse klingeln zu lassen. Anhand dieser verschiedenen Denkstrukturen haben Sie wahrscheinlich schon erkannt, dass ich sehr viel Zeit habe, mir den Kopf zu zerbrechen. Sie haben recht. Doch ganz gleich ob ich viel zu tun habe oder nicht, jeder wird für sich feststellen, dass es einfacher ist, jenes Ereignis zwar zu bemerken, es aber auch sogleich wieder zu verwerfen. Können Sie wahre Trauer empfinden, für Ihnen unbekannte Menschen, die in 12 000 Kilometer Entfernung, an einem Ort den Sie nur von Bildern kennen, gestorben sind? Ich für meinen Teil, kann es nicht, zumindest nicht ohne mich selbst zu belügen.

 

Versuchen wir uns mal vorzustellen, wie die Menschen vor 100 Jahren gelebt haben. Im Jahre 1912 gab es kein Internet. Es gab natürlich Zeitungen und ein Radionetzwerk, allerdings war dieses keinesfalls als detaillierte globale Informationsquelle zu betrachten. Die Nachrichten, die den einfachen Bürger erreichten, drehten sich in der Regel um verwertbare Inhalte die sich auf die nähere Umgebung beziehen. Getrauert wurde um die Menschen, die man persönlich kannte, einfach aus dem Grund, da man die anderen Menschen weder kannte, noch von ihrem Schicksal wusste. Ich halte diesen Zustand für sehr wichtig, um eine gesunde Psyche zu wahren. Ich verwende meine Person einmal für das Gegenbeispiel. Wie Sie bereits weiter oben feststellen konnten, durchdenke ich sehr viele Perspektiven, die eine Information über ein Szenario zulässt. Ich habe wie bereits erwähnt ein hohes Maß an Zeit, was ich in diese Denkspielereien investieren kann. Ein Umfeld, welches die unterschiedlichsten politischen Einstellungen vertritt und diese auch noch glaubhaft legitimieren kann, erschwert die persönliche Einschätzung. Ich beginne also damit zu zweifeln. Ich zweifle an der Quelle, die mir die Information liefert, da diese von Organisationen finanziert wird, die eine bestimmte politische Einstellung vertreten. Somit ist die Glaubwürdigkeit jenes Artikels schon einmal verringert. Weiterhin frage ich mich, haben diese Terroristen im Gazastreifen vielleicht bekommen, was sie verdient haben? Aber selbst wenn, woher soll ich es wissen? Und woher soll es jemand Wissen, der seine Information von einem in der Nähe wohnenden Dorfbewohner hat?

Die Inhalte, die beim Übersetzen von Sprachen verloren gehen sind oft entscheidend für die Aussage einer Nachricht. Somit könnten die ergatterten Informationen auf Ihrem Weg in meine Zeitung völlig verändert worden sein, und Niemand würde es merken. Denn wer würde diesen Artikel für wahr oder falsch erklären? Wenn es überhaupt Jemand tun könnte, dann entweder die Sieger oder die Verlierer dieser kriegerischen Handlung.

Wie Sie also bemerken, gibt es keine Garantie für die Richtigkeit einer Nachricht. Jetzt könnte man natürlich meinen, Bilder oder Videos wären ein unbestreitbarer Beweis für die Richtigkeit einer Nachricht. Hier möchte ich auf die verschiedenen Perspektiven hinweisen.

Wenn es in der Tagesschau einen Ausschnitt über einen Krieg gibt, könnte man Ihnen auch die Aufnahmen aus einem ganz anderen, lange vergangenen Krieg zeigen und so ziemlich Niemand würde einen Unterschied bemerken…

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