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Meine Gedanken zu Deutschlands Geburtenproblem

Deutschland ist eine der stärksten Volkswirtschaften der ganzen Welt. Aus deutschen Unternehmen kommen die modernsten und effizientesten Technologien. Das deutsche Sozialsystem, wenn auch verbesserungsfähig, zählt zu den besten der Welt. Dieser kleine, aber aussagekräftige Überblick lässt vermuten, dass wir ein großes Stück vom Wohlstandskuchen abbekommen haben und es uns doch gut gehen sollte. Das stimmt soweit, die Frage ist jedoch, wie lange noch?

 

Innerhalb der letzten Jahrzehnte wird in Deutschland ein neuer Trend unterschätzt. Während Länder wie Afghanistan oder der Senegal Geburtenraten von bis zu 7,9 aufweisen, zählt Deutschland zu den Nationen mit den niedrigsten Fertilitätsraten weltweit. Die Zeit der Babyboomer (1955-1965) ist lang vorbei. Über einen großen Zeitraum wurde dieses Problem unterschätzt und nicht wirklich beachtet. Erst vor gut fünf Jahren schienen die größeren Medien wieder Interesse an dieser Thematik zu finden. „Katastrophale Geburtenraten! – Sterben wir Deutsche aus?“, titelten „renommierte“ Zeitungen wie die Bild. Mit einer Fertilitätsrate von etwa 1,40 sind wir nicht nur das europäische Schlusslicht, sondern stehen auch weltweit in den letzten Reihen. Die Frage ist nun, woraus resultiert diese beunruhigende Zahl?

Die im Buch aufgezeigte Quelle schildert diverse Ungerechtigkeiten, die ungebremst auf die Familien aufprallen. Menschen die in der Bundesrepublik keine Kinder haben, werden nicht nur steuerlich besser gestellt, sie wirken auch für den Arbeitsmarkt wesentlich attraktiver. Die von dem unbekannten Autoren kritisierten Punkte werden in Zeile 46 auf Seite 81 sehr gut zusammengefasst: „Das ist demografischer Irrsinn“. Belegt wird diese These mit diversen Punkten, die dem Staatlichen System negativ angerechnet werden. Neben etlichen Vorschlägen, welche die Situation der Familien  in Deutschland verbessern sollen, kritisiert er weiterhin die staatlichen Begünstigungen für z.B. Rentner der früheren Generationen. Kurz gesagt, wird von dem Autoren eine umfassende Reform der Familienpolitik gefordert.

Nachdem dieses Thema auch in der Öffentlichkeit ein höheres Interesse erweckt, scheint sogar die Politik daran interessiert, einen bestrebten Eindruck zu hinterlassen. In den Medien wird seit langem das Konzept des Betreuungsgeldes erklärt, gelobt und gehasst. Das von der Schwarz-Gelben-Koalition auf den Weg gebrachte Konzept sieht vor, dass ein bestimmter Betrag an Eltern gezahlt wird, die für ihre Kinder zwischen dem 13. und 36. Lebensmonat keine staatlich geförderten Betreuungsmöglichkeiten in Anspruch nehmen. Die Höhe des Geldes soll zwischen 100 € und 150 € liegen, abhängig vom Alter des Kindes. Sinn und Zweck soll also sein, den Eltern das Gefühl zu geben, dass der Staat sich schon darum kümmert, dass genug Geld da ist. Weiterhin war es der Politik wichtig, dass die Eltern, die ihr Kind zu Hause erziehen, ja gar nichts von der Modernisierung in Kitas haben, insofern war auch Fairness ein Bestreben. Somit soll also der Vorteil geschaffen werden, die Kinder zu Hause zu erziehen, fernab von anderen Kindern, ohne fremde soziale Einflüsse und den frühen Einstieg in die Grundlagen der Gesellschaft. In drei skandinavischen Ländern gab bzw. gibt es ein Probelauf eines ähnlichen Modells. Eine Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung zeigt, dass die Empfänger von dieser staatlichen Leistung unverhältnismäßig oft einen geringen Bildungsstand, ein niedriges Einkommen und einen Migrationshintergrund aufweisen. Weiterhin sei die Sozialisierung der staatlich geförderten Kinder schwieriger, da es an grundlegenden gesellschaftlichen Werten fehle, welche in westlichen Industrienationen zwingend erforderlich sind um ein produktives Mitglied im System zu werden.

Aus meiner Perspektive beinhaltet der Gedanke des Betreuungsgeldes nichts Positives. Um ein Kind wirkungsvoll in eine Gesellschaft zu integrieren, ist es nötig, dass schon in jungen Jahren eine Interaktion mit anderen Kindern stattfindet. Auch wenn die Fairness prinzipiell ein essentieller Gedanke in einer Demokratie ist, müssen Grenzen gesetzt werden um das Wohl der jeweiligen Bevölkerung zu gewährleisten.

 

Um die Geburtenrate in Deutschland zu steigern, ist nicht nur eine Reformation der Familienpolitik von Nöten. Schon in frühen Jahren wird jedem Bürger erklärt, dass er Teil einer Leistungsgesellschaft ist. Über Jahrzehnte hat sich die Karriere ein Kopf an Kopfrennen mit der Familie geliefert, momentan liegt die Karriere mit großem Vorsprung vorn. Was wäre nun also nötig, um den Menschen zu zeigen, dass Leistung nicht das einzige ist was zählt?

Da unsere Gesellschaft über Jahre von der durchwachsenen Medienlandschaft geprägt wurde, halte ich es für falsch, das Problem über das oft bewährte System der Panikmache lösen zu wollen. Wenn man sich den aktuellen deutschen Geburtenspiegel anschaut, ist leicht zu erkennen, dass die Geburtenrate in den sozial schwachen Gegenden einen prinzipiell guten Stand erreicht. Bis vor einem Jahr sank die Zahl der Kinder in Akademikerfamilien drastisch. Erst 2012 konnte ein leichtes Plus vermerkt werden. Wer heute den höchsten Bildungsweg einschlägt, ist in der Regel zwischen 25 und 30 mit seiner Ausbildung fertig. Dann kann damit begonnen werden, die erlernten Fähigkeiten in Geld umzuwandeln, ein Kinderwunsch wird dadurch oft im Alter von 34-36 Jahren erfüllt. Anders ist es bei sozial schlechter gestellten Familien, welche bereits im Durchschnittsalter von 20-26 das erste Kind in die Welt setzen. Wenn wir nun einmal in die Zeit um 1960 zurückblicken, stellen wir fest, dass es in dieser Zeit eine etwa doppelt so hohe Geburtenrate gab. Doch neben den Geburtenraten, gab es auch andere gesellschaftliche Faktoren, die denen der heutigen Zeit nicht mehr ähneln. So war beispielsweise der Wohlstand, wie wir ihn heute kennen und definieren, nur bei einem kleinen Bevölkerungsteil vorhanden. Auch dieser Teil der Gesellschaft wies zur damaligen Zeit eine niedrige Geburtenrate auf. Ich leite daraus ab, dass Wohlstand ein größeres Bewusstsein im Umgang mit Mitteln mit sich bringt, der Gedanke ein Kind zu verpflegen bedeutet gleichzeitig ein wirtschaftliches Minus. Kurz und knapp: Jede Bevölkerungsschicht scheint anhand der Statistiken differenzierte Prioritäten auszubilden. In der heutigen Zeit nimmt die Zahl der Akademiker stets zu, die Arbeiterklasse schrumpft allerdings. Interessant ist ebenfalls, dass auch Zuwanderer nach einem gewissen Zeitraum ihre Geburtenrate an den deutschen Standard anpassen, ganz Gleich welche Herkunft sie haben.

Historisch betrachtet ist diese Problematik nicht neu. Im Gegenteil, immer dann, wenn eine Hochkultur kurz vor ihrem Fall war, zeichnete sich ein Geburtenrückgang ab. Migration und politische Systeme haben in der Vergangenheit versagt und sind auch heute noch keine machtvolle Waffe gegen den Bevölkerungsschwund.

Doch gibt es nun wirklich ein Wundermittel gegen das sogenannte Gesundschrumpfen? Ich persönlich denke nicht, dass der Staat mit seinen politischen Instrumenten ein künstlichen Baby Boom erzeugen kann. Ganz gleich ob die Situationen für Kinder und ihre Eltern in diesem Staat gut oder schlecht sind, es ist einfach nicht mehr rentabel oder vorteilhaft ein Kind zu haben. Eine schwarze Front aus negativen Nachrichten über die Zukunft wird jedem Teilnehmer der Gesellschaft täglich vor Augen gehalten, und der Satz „In diese Welt setze ich kein Kind mehr!“, wird immer häufiger verwendet. Doch entgegen aller medialen Vermutungen haben wir heut zu Tage mehr Wohlstand als ihn jemals auf diesem Fleck Erde gegeben hat. Erst wenn sich der Leistungsdruck und die Gewichtung der Werte verändern, wird sich auch die Geburtenrate verändern. Da immer mehr Menschen arbeitslos werden und keine Verwendung mehr für die Unternehmen haben, fragt man sich ohnehin, ob der Bevölkerungsrückgang denn ein so großes Problem sei. Auch der immer wieder thematisierte Fachkräftemangel stellt mich vor einen moralischen Engpass, in dem ich mich fragen muss, ob es rentabler ist, einen Jugendlichen aus Spanien, der dass europäische Bildungssystem „genossen“ hat einzustellen, oder doch eher einen bildungsfernen schwarz-Afrikaner anzuwerben, dem sämtliche westliche Standards, sowie Sprache und Gepflogenheiten beigebracht werden müssen. Bei einer Jugendarbeitslosigkeit von bis zu 50% in einigen südeuropäischen Ländern, drängt sich die Frage auf, ob Kinder haben überhaupt noch Sinn hat. Egal wie gut es Deutschland zu dieser Zeit noch gehen mag, die Medien prophezeien Böses.

Zusammenfassend glaube ich nicht, dass es einen gesetzlichen Mechanismus gibt, der die deutschen dazu bringen würde, mehr Kinder in die Welt zu setzen. Es gibt eine Vielzahl von Faktoren die zu dieser Entwicklung geführt haben und erst wenn sich die Konstellation dieser günstig verändert, wird sich auch die Geburtenrate dementsprechend verändern.

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